FAQ

Alle Fragen rund um Algen

Marine Großalgen, auch Makroalgen genannt, sind weltweit im Brack- und Meerwasser zuhause. Die heutige Produktion der Meeresalgen konzentriert sich auf den asiatischen sowie mittel- und südamerikanischen Raum. In Europa stammen Algen vor allem aus Nordeuropa (Norwegen und Dänemark) und in Westeuropa (Irland und Schottland). In der Regel werden sie dort gesammelt, seltener jedoch gezüchtet. Trotz der Küstenbereich an Nord- und Ostsee werden in Deutschland keine Algen produziert. Vereinzelt gab es Vorstöße, eine Algenproduktion in der Ostsee zu realisieren. Diese Vorhaben wurden aber aus umweltpolitischen und biologischen Gründen wieder fallengelassen. Bisher schaffte es nur die Sylter Algenfarm, deren offizieller Nachfolger wir sind, Meeresalgen unter optimalen und kontrollierten Bedingungen an Land zu produzieren.

Die Konzentration von Jod im natürlichen Meerwasser schwankt je nach Standort und auch innerhalb der Meeresschichten. So können Konzentrationen von weniger als 20 µg bis 70 µg je Liter Meerwasser auftreten. Der Jodgehalt in Meeresalgen wird nur bei einem übermäßigen Konsum der Algen als Lebensmittel problematisch. Insbesondere bei Schilddrüsenproblemen kann ein hoher Verzehr von Meeresalgen zu gesundheitlichen Problemen führen. Die landgestützte Kultivierung hat in dieser Hinsicht den Vorteil, dass sie künstliches Meerwasser verwendet. Obwohl das künstliche Meerwasser anfangs eine vergleichbare Jodmenge wie natürliches Meerwasser enthält, füllt sich diese nicht wieder auf, wenn die Algen das Jod verstoffwechseln. Da wir das künstliche Wasser nicht ständig erneuern sondern recyceln, nimmt der Jodgehalt stetig ab, auch in der geernteten Algenbiomasse.

Im Alltag wird unterschieden zwischen den mikroskopisch kleinen Mikroalgen und den mit bloßem Auge sichtbaren Makroalgen oder auch Meeresgroßalgen. Während weit mehr als 300.000 Mikroalgenarten bekannt sind, gibt es etwa 50.000 Makroalgenarten, von denen etwa 200 Arten kommerziell genutzt werden. Wissenschaftlich lassen sich Algen schwer einordnen. Mögliche Klassifizierungsmerkmale sind das optische Erscheinungsbild, der Lebensraum oder die Herkunft und Charakteristika des Chloroplasten – also jenem Teil der Pflanzenzelle, in dem die Photosynthese stattfindet. Basierend auf diesem dritten Merkmal können Algen zum Beispiel in Grünalgen, Braunalgen und Rotalgen unterteilt werden.

Je nach dem was man als Alge hinzurechnet, ist festzustellen, dass von den circa 50.000 Algenarten tatsächlich nur wenige, etwa 100 bis 150 Arten, kommerziell als Lebensmittel genutzt werden. Wie auch bei den Nutzpflanzen an Land, galt lange Zeit einigen wenigen Algenarten das Interesse. Daher finden sich auf dem europäischen Lebensmittelmarkt auch nur sehr wenige Algen als Lebensmittel. Zunehmend aber sind Wissenschaftler auf der Suche nach neuen Algenalternativen, die sich durch besondere und hohe Inhaltsstoffe bzw. -konzentrationen auszeichnen.

Als Seegräser werden solche Landpflanzen bezeichnet, die in einem zweiten Entwicklungsschritt wieder in den aquatischen Lebensraum zurückgekehrt sind. Im Gegensatz zu Algen können Seegräser blühen und haben Wurzeln.

Wie jede Pflanzen reichern auch Algen in unterschiedlicher Weise Speicher- und Inhaltsstoffe an. So finden sich viele Meeresalgen, die reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sind und gleichzeitig wenig Fett und viel Protein haben. Je nachdem wann und in welchem Zustand die Algen geerntet werden, können die Inhaltsstoffe variieren. Unsere Kulturbedingungen jedoch zielen darauf ab, optimale Wachstumsbedingungen für die verschiedenen Algen bereitzustellen, sodass das Endprodukt die Vorzüge der Algen bestmöglich aufweist.

Meeresalgen haben je nach Algenart unterschiedliche Inhaltsstoffe und Mengen an wertgebenden Inhaltsstoffen. So finden sich in einigen Algen (wie der Lappentang) hohe Proteinkonzentrationen, ausgewählte Zucker (Mannitol), ein geringer Gehalt an Fett, viele Vitamine (B, C, A, E, K), Mineralstoffe (Calzium, Eisen, Magnesium und Jod) und auch Spurenelemente. Dazu kommen nachweisbar antivirale, antibakerielle und andere immunmodulierende Inhaltsstoffe, die die Meeresalgen so wertvoll für unsere Gesundheit machen.

Unsere landgestützte Kultivierung weist viele nachhaltige Aspekte auf. Durch die Kultivierung an Land wird umgangen, dass natürliche Algenwälder im Meer abgesammelt oder Monokulturen unter Wasser angelegt werden, wodurch der Lebensraum vieler Meeresorganismen vernichtet würde. Stattdessen werden unsere Meeresalgen aus kleinen Sporen herangezogen. Vom kleinen Erlmeyerkolben bis zum großen Rundtank wird das Kulturmedium nicht ersetzt, sondern stets aufgereinigt und wiederverwendet, um den Wasserverbrauch und die Abwassermenge so gering wie möglich zu halten. Unsere Tanks stehen auf dem Gelände einer Fischzucht, sodass wir keine umgebenden Lebensräume durch unsere Kultivierungsanlagen schädigen.

Ebenso wie verschiedene Fischsorten sich in ihrem Geschmack unterscheiden, schmecken auch nicht alle Algensorten identisch. Was die Assoziation von Fisch- und Algengeschmack aufkommen lässt, ist vermutlich eher die Erinnerung an das Meer-Aroma, diesen salzig-würzigen Geruch, der einen großen Anteil an der stimmungsvollen Atmosphäre von Fischmärkten und Fischrestaurants hat.

Unsere Meeresalgen werden aus Sporen gezogen, deren Vorläufer aus der Nord- und Ostsee stammten. Diese ursprünglichen Algen haben wir als angespülte Algen am Strand gesammelt und in unseren Anzuchtkolben wachsen und sich vermehren lassen. Als die Algen groß genug waren, wurden sie in die Taumeltanks überführt. Seitdem wachsen sie dort zu ihrer vollen Größe. Bei der Ernte werden nur einige Blätter der einzelnen Algen abgenommen; die Hauptalge wächst weiter. Damit stellt die Ernte auch ein Ausdünnen dar, ohne das die Alge zu schwer würde und nicht mehr zum Licht hochtaumeln könnte.

Wer gern mit Meeresalgen in der Küche aktiv werden möchte, findet vielfältige Rezepte sowie hilfreiche Tricks und Kniffe in den folgenden Büchern:

  • Irish Seaweed Kitchen (Autor: Prannie Rhatigan)
  • Genuss aus dem Meer – Algen (Autor: Eric Coisel)
  • Algen – das große Kochbuch (Autoren: Lisette Kreischer, Stichting Noordzeeboerderij, Marcel Schuttelaar, etc.)